Selbstvalidierung
Gar nicht so leicht, sich selbst darin zu bestärken, dass das, was gerade passiert, schon seine Richtigkeit haben wird. Obwohl, gar nicht so leicht ist grauenhaft untertrieben. Eigentlich ist es entsetzlich schwer. Auch wenn meine Therapeutin heute genau das bestätigte: Was Sie fühlen, hat absolut seine Berechtigung. Ich weiss, dass sie recht hat. Und da liegt der Hund begraben (oder der nervige Nachbar, der Goldfisch, die Schwiegermutter oder das Nudelholz). Ich weiss es. Heisst, mein Verstand verbindet die richtigen Stränge zu einem sinnhaften Ganzen. Nur fühle ich es nicht. Fühle nicht, dass es richtig ist, zu fühlen, was ich eben fühle. Normalerweise schon, immer öfter jedenfalls. Aber nicht auf dem Gebiet, in dem ich mich gerade bewege. Das geht nicht auf. Das passt nicht zu dem, was ich für real gehalten habe. Oder halten musste. Weil ich sonst kaputt gegangen wäre. Oder sogar krank geworden. Psychisch. Man stelle sich nur mal vor, ich hätte sowas wie eine Persönlichkeitsstör... Moooment. Da war doch was? Ach ja, richtig. Ich bin ja krank geworden. Und wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil ich meine Gefühle mit der wirklichen oder vermeintlichen Wirklichkeit nicht in Einklang bringen konnte. Das klingt schief, schon klar. Das fühlt sich auch an wie der Turm von Pisa. Nach dem Zusammenbruch. Und das soll nun also richtig sein. Gut so, wie es ist. Fällt schwer, das zu spüren. Glauben kann ich es. Weil die rationalen Regionen meines Hirns mitspielen. Weil das alles irgendwie Sinn macht. Die ganzen Emotionsausbrüche. Die Leere, die seit über zwei Wochen zuverlässig darauf folgt und es sich dann für mindestens drei Stunden gemütlich macht. Logisch erklärbar: Da passiert auf der Gefühlsebene gerade unheimlich viel, und immer dann, wenn es zu viel wird, schaltet sich eine automatische Pause ein. Wie ein Rechner, der aus Selbstschutz herunterfährt, wenn er überhitzt. Aber so sinnvoll und nachvollziehbar dieser Selbstschutz auch ist, es ist schwer zu ertragen, wenn der Rechner nur noch auf Standby läuft, obwohl ich weiterarbeiten sollte. Das Ding lässt sich nämlich nicht auf Kommando wieder hochfahren. Aber: Es ist ja gut so. Es ist gut so. Und so langsam dämmert es mir, dass das nicht heisst, dass es sich auch gut anfühlen muss. Weil auch das seine Berechtigung hat: Ich darf mich schlecht fühlen. Ich darf müde sein. Erschöpft. Genervt. Wütend. Unruhig. Traurig. Ich darf vermissen und es darf sich unpassend anfühlen. Ich darf eigentlich ziemlich viel. Was ich auch dürfte, aber nicht will: mich davon lähmen lassen. Zulassen, dass eine schwere Zeit zu einer schädlichen wird.
Also schliesse ich einen Pakt mit mir selbst: Was immer du fühlst, es ist okay. Es darf da sein, und wahrscheinlich soll es das sogar. Selbst wenn diese Gefühle unkontrollierbar scheinen. Aber die Kontrolle über das Handeln bleibt bei dir.
Keine Selbstverletzung, auch wenn ich mich überhaupt nicht mehr spüre. Kein übermässiges Essen, das die Leere füllt. Kein völliger Rückzug in die innere Höhle, keine Abschottung von anderen Menschen, so schwer das Aufstehen auch fällt. Pass auf dich auf. Auch das darf ich.